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Ritchie Riediger

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WENN KLÄNGE ZU BILDERN WERDEN UND BILDER ZU RÄUMEN
Ritchie Riediger, geboren 1967 und Meisterschüler in der Medienkunstklasse von Helmut Mark an der HGB Leipzig, experimentiert auf ungewöhnliche und überraschende Weise mit den Spannungsfeldern von Bild und Ton, Zeit und Raum, Kunst und Technik.

Seine Arbeiten, die er unter dem Label [OSZO] konsequent wie die Typen einer technischen Bauserie durchnumeriert, vereinen Elemente von Kunstdiskurs, Clubkultur und Wissenschaft mit kritisch-präzisen und optisch wie akustisch sinnesintensiven künstlerischen Aussagen.
Die Qualitäten von klassischer Skulptur und konzeptueller Malerei werden dabei scheinbar mühelos mit den audiovisuellen Erlebnisräumen der aktuellen Medienkunst gekreuzt und in neue intermediale Werkformen überführt.


PRESSEMITTEILUNG 10. Januar 2003,  02:17, Neue Zürcher Zeitung

Grenzgänger zwischen den Medien

Der Audiovisionär Ritchie Riediger bei Elten & Elten

Warum nicht nach der Techno-Musik auch noch Techno-Kunst? Oder nach Elektro-Pop in der Musik etwa Elektro-Pop in der Kunst? Die Grenzen zwischen den Kunstgattungen sind ins Wanken geraten. Einer, der sie - nach all den Aktions-, Video- und Installationskünstlern - ein weiteres Mal ins Rutschen bringt, ist Ritchie Riediger. Zurzeit hat er in der Zürcher Galerie Elten & Elten am Hottingerplatz seinen ersten Galerieauftritt. Zuvor fiel er auf in Deutschland, seiner Heimat, wo er mit Rauminstallationen etwa in der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig den Orientierungssinn der Besucher auf die Probe stellte oder mit einem Live-Event in der Berliner Parochialkirche das Wahrnehmungsvermögen der Rezipienten herausforderte. Aufgetreten ist der gelernte Schlosser und studierte Politologe, Soziologe und Philosoph auch auf verschiedenen Kunst- und Elektronikfestivals in Barcelona, Rom, London, Stockholm und Tokio.

Als Künstler lässt sich Riediger nicht leicht einordnen. Er bewegt sich am liebsten an den Schnittstellen zwischen Museum und Klub, Kunstgalerie und Party und sieht sich als Filmemacher ebenso wie als Grafiker, Ingenieur, Komponist, VJ und DJ. Zentral in seiner Arbeit sind Visualisierungsmechanismen verschiedenster Art. Dabei bedient sich der Audiovisionär elektronischer Apparaturen, die er selber entwickelt und herstellt und die bezüglich ihres schicken Erscheinungsbildes den Designer in Riediger verraten. Solche Apparate setzen etwa Tonfolgen und Rhythmen um, die er selber komponiert hat: Biomorphe Strukturen aus kaltem blauem Licht erscheinen dann zuckend als Projektionen auf der Wand. Ton, Bild und Apparatur bilden dabei ein Gesamtkunstwerk, für dessen Urheberschaft der Künstler nicht zuletzt auch als technischer Erfinder zeichnet. So hat Riediger die selbst erfundene Maschine zur Umsetzung elektrischer Signale in bewegte Bilder - in Analogie zur Baureihe und Typennummer der Ingenieure - mit dem Label «oszo 1 TM» versehen und patentieren lassen. Erfunden hat er auch einen ästhetisch durchgestylten «Mikroskop-Projektor mit Objektträger», eine Vorrichtung «zur makroskopischen Darstellung und Beobachtung von Kleinstinsekten innerhalb elektromagnetischer Felder». Die Bilder, welche diese Vergrösserungslampe von Mückenlarven an die Wand wirft, entbehren einer gewissen makabren Schönheit nicht: Am Computer läuft ein Soundprogramm, der dabei entstehende Strom wird mittels Mixer und Verstärker auf die Petrischale geleitet, wo sich die Insekten befinden, wodurch die Larven zu tanzen beginnen.

Ritchie Riedigers Kunstwerke stehen unter Strom. So seine in der Galerie in Zürich gezeigte Video-Sound-Installation, in der eine Kamera über den Asphalt rast, oder auch seine Monumentalskulptur «Der goldene Reiter»: ein (reiterloses!) Pferd in neonleuchtendem Pink, das in Gestalt eines zwölf Tonnen schweren Glasobjekts, in Zürich als Modell realisiert, im kommenden Sommer in Leipzig im öffentlichen Raum aufgestellt werden soll.

Philipp Meier

Zürich, Galerie Elten & Elten (am Hottingerplatz, Wilfriedstrasse 19), bis 31. Januar. Am 30. Januar findet um 20 Uhr 30 in den Galerieräumen eine Performance mit dem Künstler statt.

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